Kunst vs. Design

Kunst und Design sind zwei der beliebtesten Formen der visuellen Kommunikation. Sie sind so eng miteinander verbunden, dass man sich selbst innerhalb der kreativen Gemeinschaften oft fragt: Ist Design Kunst? Oder ist Kunst Design?

Während Kunst die Grenzen der Kreativität auslotet und zur Diskussion anregt, steht Design im Dienst eines klaren Zwecks, sei es Funktionalität, Effizienz oder Ästhetik. In diesem Beitrag werfen wir einen genaueren Blick auf sieben Schlüsselunterschiede zwischen Kunst und Design und beleuchten moderne Beispiele, die diese Unterschiede verdeutlichen.

Tauchen wir ein in die Welt der Kreativität und Funktionalität, und entdecken wir, wie Kunst und Design miteinander verschmelzen oder sich voneinander abgrenzen können:

1. Kunst wird bewundert und Design hat eine Aufgabe zu erfüllen

Kunst: Warhols Pop Art Werk mit Marilyn Monroe ist eine künstlerische Darstellung, die Bewunderung für die Persönlichkeit und den Einfluss der berühmten Schauspielerin einfängt. Anstatt das Gesicht von Monroe zu zeichnen oder zu malen, wählte Andy Warhol ein existierendes Foto, von dem er wusste, dass es fast jeder wiedererkennen würde und reproduzierte es beliebig oft.

Design: Während das elegante Erscheinungsbild des iPhones zweifellos beeindruckend ist, liegt der Hauptfokus auf der Funktionalität und Benutzererfahrung. Es ist nicht nur ein ästhetisches Objekt, sondern ein Werkzeug, das die Art und Weise, wie wir kommunizieren, verbessert und erleichtert. Dabei demonstriert es, wie erfolgreiches Design nicht nur schön sein kann, sondern auch einen klaren Zweck erfüllt und das tägliche Leben der Nutzer verbessert.

2. Kunst ist abstrakt und Design ist strukturiert

Kunst: Gerhard Richter’s „1024 Colors“ ist ein abstraktes Gemälde mit 1024 quadratischen Farbfeldern, das die Vielfalt und Abstraktion der Farben erkundet. Das Gemälde ist eine eindrucksvolle Darstellung von Richters künstlerischer Auseinandersetzung mit Farbe und ihren unendlichen Nuancen. Durch die präzise Anordnung und das Spiel der Farbfelder entsteht ein visuelles Spektrum, das die Betrachter in eine Welt der Farbvariationen und -kompositionen entführt. Es ist ein Werk, das die Sinnlichkeit der Farbe feiert und gleichzeitig die Grenzen der Farbwahrnehmung erkundet.

Design: Für Designstudenten ist Vignellis Beitrag zur Gestaltung der U-Bahn-Karte von New York ein Lehrstück über die Kraft des minimalistischen Designs, die Bedeutung der Benutzerfreundlichkeit und die Herausforderungen, die mit dem Ausbalancieren von Ästhetik und Funktionalität in einem Design einhergehen.

3. Kunst regt zur Diskussion an und Design braucht einen klaren Grund

Kunst: Der belgische Künstler Wim Delvoye macht seinem Namen als Superstar der Provokation alle Ehre: Er tätowierte bis 2008 lebendige Schweine, die nun für bis zu 140 000 Euro verkauft werden. Seine „cochons tatouées“ lösten eine Debatte über den artgerechten Umgang mit Tieren und die ethischen Grenzen der zeitgenössischen Kunst aus. Delvoye provozierte Proteste zahlreicher Tierschützer, auch Brigitte Bardot übte Kritik. Doch die Liste derer, die ein solches Schwein kaufen möchten, ist ebenfalls lang.

Design: Das Hope-Plakat von Shepard Fairey wurde im Rahmen von Barack Obamas Präsidentschaftskampagne entworfen, um Unterstützung zu generieren. Faireys Hope-Plakat illustrierte, wie Design als kraftvolles Werkzeug eingesetzt werden kann, um Emotionen zu wecken. Es ist ein Beispiel dafür, wie ein klares Design und eine starke Botschaft die Stimmung und das Engagement in einer politischen Bewegung beeinflussen können.

4. Kunst stimuliert und Design motiviert

Kunst: Marina Abramovics Performance-Kunst im MoMA hat die Fähigkeit, Emotionen und Reflexionen in den Betrachtern zu stimulieren. Die Künstlerin saß sechs Stunden täglich, sechs Tage die Woche, drei Monate lang regungslos auf einem Stuhl. Besucher waren eingeladen, sich ihr gegenüberzusetzen und einen intensiven, oft emotionalen Moment der Präsenz zu teilen, der tiefe persönliche Reflexionen und Verbindungen zwischen Künstlerin und Betrachter hervorrief. Diese Performance wurde zu einem kraftvollen Statement über Anwesenheit, Interaktion und menschliche Verbindung in der Kunst.

Design: Die Nike Air Max-Serie ist eine ikonische Linie von Sportschuhen, die für ihre revolutionäre sichtbare Luftdämpfungseinheit in der Sohle bekannt ist. Ursprünglich 1987 eingeführt, bot sie nicht nur herausragende Leistung, sondern etablierte auch einen neuen ästhetischen Standard im Sneaker-Design. Die Air Max-Schuhe kombinieren Komfort, Stil und Funktionalität und haben sich zu einem Symbol für Streetwear und Sportmode entwickelt, wobei jedes Modell Innovationen in Technologie und Design präsentiert.

5. Kunst beginnt als ein Ausdruck und Design beginnt mit einem bestimmten Zweck

Kunst: Yayoi Kusama, eine renommierte japanische Künstlerin, nutzt ihre Kunst als Ausdrucksmittel für ihre psychische Erkrankung. Durch ihre Kunstwerke, insbesondere ihre berühmten Installationen mit endlosen Mustern und Punkten, gewährt sie tiefe Einblicke in ihre Innenwelt und ihren Kampf mit psychischen Gesundheitsproblemen wie Zwangsstörungen und Halluzinationen. Ihre Arbeit wird oft als eine Art therapeutischer Ausdruck betrachtet, der nicht nur ihre eigenen Erfahrungen reflektiert, sondern auch eine universelle Botschaft über psychische Gesundheit, Identität und Unendlichkeit vermittelt.

Design: Die Woom Bikes sind bekannt für ihre hochwertige Konstruktion und ihre Fokussierung auf die Bedürfnisse von Kindern beim Erlernen des Fahrradfahrens. Das Design vereint Leichtigkeit, Langlebigkeit und Ergonomie, um ein optimales Fahrerlebnis zu ermöglichen. Die Ausstellung im Kunstmuseum Wien zeigt diese Fahrräder nicht nur als Gebrauchsgegenstände, sondern präsentiert sie auch als kunstvolle Objekte, die die Verschmelzung von Design und Ästhetik für einen spezifischen Zweck verdeutlichen.

6. Kunst ist subjektiv und Design ist objektiv

Kunst: Die Installation „Behausung 6/2016“ von Romana Menze-Kuhn thematisierte Flucht. Ein Teil davon wurde versehentlich von einer Reinigungskraft entsorgt, einschließlich Folienteilen, die schutzsuchende Menschen symbolisieren sollten. Die Künstlerin nutzt jedoch diese Herausforderung, um mit dem Vorfall umzugehen. Die Installation aus Europaletten und Rettungsfolien sollte aufzeigt, wie mit einfachen Mitteln Notunterkünfte entstehen können. Doch beweist auch das Kunst im Auge des Betrachters liegt.

Design: Der Flyer für die Müllentsorgung in Villach wurde von uns so gestaltet, um klar und einfach das korrekte Entsorgen von Müll zu vermitteln, ohne Spielraum für Interpretationen zu lassen.

7. Kunst kann auch Design sein und Design kann auch Kunst sein

Kunst: Das berühmte „LOVE“-Kunstwerk von Robert Indiana ist eine kraftvolle und ikonische Darstellung des Wortes „LOVE“ in Großbuchstaben, wobei der Buchstabe „O“ leicht geneigt ist und den Buchstaben „V“ überlappt. Diese einfache, dennoch kraftvolle Komposition wurde auf einer Vielzahl von Medien reproduziert, darunter Poster, Skulpturen, Gemälde, und sogar Briefmarken.

Design: Stefan Sagmeister, mit AIGA. Es ist Teil der rund 24 000 Plakate umfassenden Kollektion der MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung. Das Plakat, das Teil dieser Sammlung ist, könnte eine Kombination aus künstlerischer Innovation und Botschaft sein, die typisch für Sagmeisters Arbeiten ist. Es könnte eine inspirierende visuelle Geschichte erzählen, die die Essenz von Grafikdesign und kreativer Kommunikation verkörpert. Sagmeisters Werke sind dafür bekannt, konventionelle Designgrenzen zu sprengen und eine tiefgreifende ästhetische sowie intellektuelle Wirkung zu erzielen.